Gedanken und Träumereien eines Schreiberlings.
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Der erste Tag

Eine Geschichte, die in drei Teilen und Etappen erscheint. Auf den zweiten Teil könnt ihr euch im November freuen. (Leider habe ich keine funktionierende Rechtschreibprüfung.)

 

s dämmerte schon als ich in  die Straße einbog, in der ich wohnte.
Es war ein langer Tag gewesen und mir taten die Beine weh. Ich lauschte dem aufkommenden gezwitscher der Vögel und dachte über die Geschehnisse des vergangenen Tages und, besonders, der vergangenen Nacht nach.

Der Tag hatte ganz normal begonnen, ich war gegen zehn Uhr aufgestanden, hatte mich gewaschen, rasiert und ein Frühstück zu mir genommen. Danach verließ ich meine Wohnung, ging durch den Park in Richtung Fruchtallee, wo ich mir am Schlump ein Taxi nahm, das mich zum Hauptbahnhof brachte.
Dort sollte ich die lange verschollene und ehemals gute Freundin meiner Nachbarin Lola abholen.
Ich hatte eigentlich nicht viel mit Lola zu tun, doch als sie mich eine Woche eher um den Gefallen bat, konnte ich ihn ihr nicht abschlagen. Ich hatte schließlich nur wenig zu tun, mein Job als Fotograf für eine kleine Hamburger Zeitung lief nicht gut und ich bekam Unterstützung vom Staat und viel, sehr viel Freizeit. Außerdem wollte ich dieses Wiedersehen, nach 17 Jahren wie Lola mir eröffnete, auf keinen Fall verpassen.
Der Taxifahrer fuhr auf den Parkplatz und hielt hinter einem Reisebus, aus dem gerade eine Gruppe gutgelaunter älterer herren ausstiegen. Ich ließ mir mit dem Bezahlen zeit und konnte es so umgehen mich durch den Pulk kämpfen zu müssen. Schließlich gab ich dem Fahrer ein Trinkgeld und stieg aus.
Vor und in der Wandelhalle herrschte emsiges Treiben. Die Herren aus dem Bus standen im Kreis und diskutierten langsam gestikulierend und über einen Stadtplan gebeugt, ein nicht abbrechen wollender Strom aus Menschen floss von den S-Bahn Gleisen zu den U-Bahn eingängen und Bushaltestellen. Eine Gruppe Punks hörte Musik und schnorrte. Ich warf ein 50ct Stück in den Topf eines Mädchens mit blonden Haaren und einigen grünen Strähnen, sie trug eine mit Nieten versehene Lederjacke, lächtelte mich vielsagend an und bedankte sich. Ich beeilte mich zu entfernen.

Es war jetzt zehn Minuten nach elf. Der Zug sollte um 11:27 aus Berlin ankommen und ich überlegte gerade, wie ich eine fremde Frau zwischen all den Reisenden finden sollte als mein Handy klingelte. Ich zog es aus der Hosentasche und nahm den Anruf an, indem ich mit dem Zeigefinger über den Bildschirm wischte.
"Hallo Robert", es war Lola. "Ich habe eben mit Sandy telefoniert und ihr gesagt, du würdest vor'm 'KFC' auf sie warten. Sie trägt eine grüne Jacke, du wirst sie schon erkennen."
"Wenn du das sagst."
"Klar, das wird schon. Ach und danke nochmal, komm doch heute Abend auch rüber, dann essen wir alle gemeinsam"
Noch bevor ich etwas sagen konnte verabschiedete sie sich wieder und legte auf.

Ich stand also um halb zwölf in der Sonne vor 'KFC' und rauchte eine Zigarette. Ich sah mich aufmerksam um und zählte auf Anhieb 6 grüne Jacken und gab daher schnell auf. Gerade überlegte ich, ob ich Lola zurückrufen sollte, als mir jemand auf die Schulter tippte.
"Du musst Robert sein." Sie hatte feuerrote Haare und trug eine grüne Jacke. Ein leises Lächeln umspielte ihre Lippen und in Ihren Augen lag ein Ausdruck der mich hätte warnen sollen. Ich war wie versteinert. Der wind spielte mit ihren Haaren und ihrem, bis zum Boden reichenden, Kleid. Ich merkte, dass ich sie anstarrte und räusperte mich verlegen.
"Muss ich?"
"Ich würd's mir wünschen" sagte sie, steckte sich auch eine Zigarette zwischen ihre Lippen und sah mich herausfordend an. Ich gab ihr Feuer und stellte mich vor:
"Roberd Andreas Hendricks", ich reichte ihr die Hand.
Sie sah mich an und hob eine Augenbraue, dann umarmte sie mich und hauchte "Sandy Millers" in mein Ohr. Ich löste mich aus ihrer Umarmung und trat einen Schritt zurück. Sie schien meine Unsicherheit zu spüren. "Lolas Freunde sind auch meine Freunde" sagte sie.
"Nachbarn." Ich hatte die erste überraschung überwunden. "Und, bist du das erste mal in Hamburg?"
"Das erste mal in diesem Jahrzehnt" antwortete sie.
Wir unterhielten uns noch eine Weile und ich erfuhr, dass sie die letzten 15 Jahre viel gereist war, wie sie sagte. Die letzten Zwei Jahre hätte sie in New York verbracht und war jetzt zurückgekommen um Lola wiederzusehen. Ich glaubte ihr nicht.
Wir beschlossen etwas essen zu gehen. Sie war lange nicht in Hamburg gewesen also beschloss ich zu 'Daniel Wischer' zu gehen.

Ich spülte gerdae den letzten Bissen meines Fischbrötchens mit Cola herunter als Zwei Punks und ein älterer Herr, der mich auf dem Weg schon um Kleingeld angebettelt hatte, vorbeigingen. In der Mitte ging das Mädchen mit den grünen Haaren und schaute mich an. Direkt. Sie sah mich an als würde sie mich kennen. Und Sandy sah sie auch, obschon sie Sie vorher nicht geshen haben konnte. Das Mädchen war höchstens 15.

"Hey, lass uns zur Alster gehen", Sie legte einen 20-€-Schein auf den Tisch, nahm meine Hand und zog mich zügig davon. Ich blickte über die Schulter zurück. Das Mädchen war verschwunden.

Aus der Fontäne schoss das Wasser in die Luft, oben wurde es vom Wind zu einem Feinen Nebel zerstäubt, der in der heißen Sonne eine angenehme Abkühlung verschaffte. Ich zog meine Zigaretten aus der Tasche und bot Sandy eine an. Wir standen einige Zeit schweigend nebeneinander und rauchten. Als wir fertig waren, begann Sandy zu Telefonieren. Sie lief Ziellos umher und gestikulierte als würde Sie streiten.
Während ich wartete schaute ich auf mein eigenes Handy und weil ich nichts Besseres zu tun hatte beschloss ich 'Sandy Millers' bei Facebook zu suchen. Ich fand sie nicht. Auch google half mir nicht weiter. Es blieb also dabei: ich wusste gar nichts über Sandy, falls das tatsächlich ihr richtiger Name war.

Ich überlegte gerade ob ich meinen Freund von der Zeitung fragen sollte ob er etwas über Sandy oder auch Lola in Erfahrung bringen könnte als Ich Sandys Hände auf meinen Schultern spürte. Sie schlang ihre Arme um mich und zog mich Näher. Ich spürte ihre Brust an meinem Rücken und ihr Atem lief mir Heiß den Nacken herunter. Ich drehte mich langsam um. Sie grinste mich breit an. "Das war Lola, wir Essen heute zusammen."
Während sie sprach berührete Sie mein Gesicht mit ihrer Nase. Ich veruchte mich mit sanfter gewalt zu befreien bevor ich die Kontrolle verlor, doch das hatte ich schon. Sie Küsste mich auf die Wange und flüsterte "Ich hoffe du kannst Kochen."
"Wenn du mir ein scharfes Messer in die Hand geben willst", ich wusste nicht was ich sagen, geschweige denn tun sollte, also scherzte ich. Ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut, ich kannte die Frau gar nicht und sie verdrehte mir den Kopf ohne sichtbare Anstrengung.
Plötzlich ließ sie von mir ab und drehte sich um. Ihr Kleid wehte im Wind und zeichnete ihre Konturen deutlich ab. Ich biss mir auf die Unterlippe.
"Nun, wenn mein Abend also verplant ist, werde Ich nochmal in die Redaktion müssen, soll ich dich nooch zu Lola bringen?" "Nein, ich finde den Weg." Sie zwinkerte mir zu. Dann verabschiedete sie sich mit einem weiteren Kuss auf die Wange und verschwand in dem Strom von Menschen, der zur U-Bahn führte. Ich war wieder allein. Ich rauchte noch eine Zigarette.

Auf dem Weg zur Redaktion dachte ich unentwegt an Sandy, an ihren schönen Körper und ihre freche, kokette Art.
Wenn Sie war wer sie vorgab zu sein, würde ich sie öfter sehen. Und ich würde sie spüren und sie würde mich spüren und wir würden uns mögen. Man liebt nicht so schnell aber man mag und wir würden uns mögen und wir würden essen mit Lola und Lola würde höflich bleiben und wir würden unterm Tisch.....
Ich musste Frank fragen. Frank war mein Freund bei der Zeitung, er hatte sogar einen Informanten bei der Kripo. Ich würde ihn fragen.


Als Ich an der Redaktion ankam, kam Frank mir gerade entgegen. Er strahlte übers ganze Gesicht und winkte mir schon über die Straße hinweg zu. Er umarmte mich überschwänglich und schlug mir dabei mehrere Male auf den Rücken.
"Wenn alles gut geht, haben wir ausgesorgt!!"
"Für wie lange?", scherzte ich. "Was ist überhaupt los?"
"Ich habe ein wenig recherchiert, wegen der Obdachlosen-Bilderserie, die du mir geschickt hast. Ich habe versucht Namen und Geschichten zu erfahren. Nicht die üblichen, sonder echt spannende.
Und dann bin ich auf dieses Foto gestossen!"
Er lachte triumphierend auf und reichte mir eine Mappe. Ich schlug sie auf und sah eine bessergestellte Familie umgeben von Männern mit teuren Anzügen. Während ich mich anstrengte Etwas aufffälliges zu entdecken, spürte ich Franks Blicke überlegen auf mir ruhen. "Sieh dir das nächste an."
Ich tat was er sagte und traute meinen Augen nicht. Ich sah auf. "Wo hast du das her?"
Es war das Mädchen, mit einer grünen Strähne im Haar. Sie lief vor irgendetwas davon und warf einen Blick über die Schulter in die Kamera. In ihren Augen spiegelte sich nackte Panik. Sie trug die selbe Lederjacke mit Nieten wie heute Morgen, das Bild konnte nicht älter als ein halbes Jahr sein.
Wer war sie? Was hatte sie mit Sandy oder Lola zu tun? und wo verdammt nochmal hatte Frank dieses Bild ausgegraben? Was bedeutete das alles? Ich errinnerte mich wie Sandy sich beeilt hatte zu verschwinden als sie das Punkermädchen sah.
"Was hast du?" fragte Frank. Ich hatte das Bild eine Ewigkeit angesehen und beeilte mich meinen Mund zu schließen. Ich räusperte mich umständlich und begann vorsichtig zu fragen.
"Was ist mit ihr?"
"Das erzähle ich dir beim Mittag, komm ich lad' dich ein."

Wir saßen in einem kleinen Portugiesen in der Schanze und Aßen. Ich hatte eine Art Gulasch und wir tranken einen Rotwein dazu. Die Sonne schien und ich spielte nervös mit dem Glas. Frank kaute genüsslich auf einer Kartoffel herum und grinste mich an.
"Jetzt komm schon, spann mich nicht so auf die Folter", ich klang aggresiever als ich eigentlich wollte. Frank steckte sich das letzte Stück Kartoffel in den Mund, kaute ausgiebig und goss die hälfte seines bisher unberührten Glases hinterher. Dann lehnte er sich zurück, stöhnte gedehnt und begann zu erzählen:
"Also, mein Bester, schau dir die beiden Bilder nochmal an? fällt dir nichts auf?" Er legte die Bilder vor mir auf den Tisch. Ich schüttelte resigniert den Kopf.
"Das", er tippte mit dem Finger auf den Vater der Familie auf dem ersten Foto. "Das ist Andreas Müller, Vater von Sabrina und Anna Müller. Dabei sind seine Frau und der Vorstand von 'Müller Electrics'.
Andres Müller hatte die Firma 1997 gergründet und ging früh ins Visier der Drogenfahndung. Drei Jahre später, 2000, wurden er und seine Frau zusammen mit der Babysitterin tot in ihrem Haus aufgefunden. Ermittlungen ergaben, dass die Firma lediglich 10% ihres Umsatzes tatsächlich durch Elektrogeräte, hauptsächlich Importe aus China, und den Rest durch Kokain und Marihuana erzielt hatte. Von Sabrina und Anna fehlte jede Spur. Die beiden waren damals 15 und 1 Jahr alt."
"Und sind sie jemals wieder aufgetaucht?" fragte ich.
"Nein, seit 14 Jahren gab es kein Lebenszeichen der beiden, bis...Heute!"
Ich sah mich nach einem Kellner um und bestellte uns jeweils noch ein Bier.
"Und du hast dieses Lebenszeichen gefunden?"
"Du hast es vor dir, das Punkermädchen, sie sieht genauso aus wie die ältere Müller-Tochter. Ich vermute, dass sie die jüngere ist, sie müsste jetzt 15 Jahre alt sein."
"Und die ältere 29?"
"Wichtig ist, dass wir das Mädchen finden und herausfinden ob sie tatsächlich eine der verlorenen Müller-Töchter ist. Wenn wir das bringen, haben wir ausgesorgt, jede Zeitung wird sich um den Artikel von uns reißen. 'Drogentochter auf der Straße aufgetaucht!', das wird DIE Schlagzeile!"
Der Kellner kam und brachte unser Bier. Wir bedankten uns und stießen an. Dann tranken wir eine Weile schweigend. Das Bier war kühl und prickelnd. Ich sah aus dem Fenster und dachte nach. Ich hatte auf Einmal so viel worüber ich nachdenken konnte. Ich dachte an Sandy und ihre Art und warum ich das üble Gefühl hatte ihr nicht trauen zu können. An das Punkermädchen, das scheinbar aus dem Nichts auftaucht und an das Foto, an die Fotos. Ein bisschen dachte ich an Lola. Doch hauptsächlich an Sandy. An das anstehende Essen und wie ich wohl durch den Abend kommen würde.
Könnte Sandy vielleicht die verschollene Müller Tochter sein und das Punkermädchen ihre Schwester, was hatte Lola mit der Sache zu tun. Und wie sehr sollte ich damit zu tun haben?
"Hey, da ist sie!", Frank zeigte aus dem Fenser und sprang auf. Sein Bierglas fiel um und der Inhalt verteilte sich auf der Tischdecke. Er glitt in seinen Mantel und zerrte mich in der selben Bewegung von Stuhl. Ich Zog schnell einige Geldscheine aus der Tasche und legte sie auf den Tisch, dann rannte ich Frank hinterher, der bereits die Tür geöffnet hatte. Frank hastete in die Mitte des großzügigen Fussweges und sah sich in alle Richtungen um. Auf einmal hielt er einen Moment inne und rannte los. Ich sah in die Richtung in die er lief und sah das  Mädchen auch. Sie hatte Frank schon bemerkt und begann zu Flüchten.
Ich verlor beide schnell aus den Augen und konnte Frank auch mit meinn Handy nicht erreichen. Ich beschloss mich an der Verfolgung nicht zu beteiligen und steckte mir noch eine Zigarette an. Dann drehte ich mich um und ging nach hause.

Ich lag auf meinem Sofa und nahm Genüsslich einen großen Schluck aus einer Bierflasche, die ich mir, als ich zuhause angekommen war, aus meinem Kühlschrank genommen hatte. Dazu rauchte ich eine Zigarette und hatte den Fernseher eingeschaltet. Über den großzügen Bildschirm flimmerte "Game of Thones", Arya Stark, ein kleines Mädchen das eine der Hauptfiguren darstellt, und der Bluthund, ein grobschlächtiger, gezeichneter Krieger waren in eine brutale Schlägerei verwickelt, an deren Ende Arya, das kleine Mädchen von höchstens 11 Jahren, einen feinen Degen ruhig und beinahe sanft in den Hals eines der am Boden liegenden Männer sticht. Ich kratze mich zwischen den Zehen und trank mein Bier aus. Ich überlegte kurz, ob ich mir ein neues holen sollte, entschied mich aber dagegen. Ich starrte auf den Fernseher, wo eine Gruppe Kinder einen Pudding besangen konzentrierte mich jedoch nicht und meine Gedanken schweiften ab. Ich überlegte, wann ich denn zu Lola rübergehen sollte, und was anziehen? Ich stellte mir vor worüber wir reden würden und spielte den Abend, beinah unbewusst, Szene für Szene im Kopf durch, ohne die Szenen jedoch zu beenden. Als ich mir gerade ausmalte, wie ich galant um Sandy herum nach meinem Drink griff, wurde mein Tagtraum durch das Klingheln meines Handys jeh unterbrochen.
'Lola Nachbar' verkündete die Anzeige.

Langsam drehte ich die Wassertemperatur höher. Lola hatte Sandys Kommen in einer dreiviertel Stunde angekündigt und ich mich daraufhin beeilt unter die Dusche zu kommen. Vorher hatte ich noch mein Handy und meine Kamera zum Aufladen angeschlossen. Ich duschte also eilig und zog mich an. Dann kämmte ich flüchtig meine Haare und betrachtete mich im Spiegel. Ich tauschte das braune gegen ein Blaues Jaket, kämmte meine Haare erneut und verstaute meine Kamera, eine Flasche Wasser, Zigaretten sowie Kaugummies und Zwei Ersatzfeuerzeuge in einer Ledertasche die ich mir über die Schulter hing. Dann ging ich auf den Flur und stand vor Lolas tür.
Sandys Stimme drang leise und melodisch durch die Holztür. Ich hielt einen Moment inne, bevor ich die Klingel, fester als nötig, betätigte.
Einen Herzschlag lang passierte gar nichts. Dann brach Sandys Melodie aprupt ab. Ich hörte das typische "Klack-Klack-Klack" hochhackiger Damenschuhe, die sich der Tür näherten. Dann Zwei Sekunden Stille und die Tür schwang auf.
Lola empfing mich mit einem warmen Lächeln und einer eher zurückhaltenden Umarmung und führte mich in ein Wohnzimmer, das zwar wie meines geschnitten aber anders eingerichtet war;
An der Wand, gegenüber der bogenförmigen Aussparung, die den Eingang bildete, hing ein Gemälde, etwa um die Hälfte größer als mein Fernseher, das eine riesige Welle Zeigte die sich vor einer Küste brach. Das Bild dominierte das gesamte Zimmer. Es gab drei Sessel um einen kleinen Kaffeetisch und mehrere kleine Regale, die scheinbar Wahllos im Raum verteilt waren. Die meisten von ihnen waren mit Büchern oder kleinen, gläsenen Figuren bestückt. Nur eines beherbergte eine CD Sammlung. Mir rechts gegenüber stand ein kleiner Fernseher auf einem winzigen Ecktisch. Die restlichen Wände waren mit grünen und blauen Tüchern verhangen und zu meiner Rechten Steckten zwei Duftstäbchen in einem Bohrloch.
Mehrere brennende Kerzen, der Duft der allmählich verbrennenden Stäbchen und eine leise Gitarrenmusik, die von irgendwo herkam tauchten dieses, blaue, Zimmer in eine warme und entspannte Athmosphäre.
Und Sandys rote Haare leuchteten wie eine Fackel. Sie hatte sich, während ich das Zimmer betrachtete, vor dem Gemälde platziert und grinste mich überlegen an.
Ich strich mit meiner Linken über die Ausbeulung meiner Kamera in der Tasche.
"Deine Haare sind nass!"
Sie trug jetzt eine enge Jeans und einen türkisen Rollkragenpullover. Ihre Haare hingen offen und gelockt über ihre Schultern und in ihren Augen blitzte es. Auf ihrer rechten Hand balancierte sie geschickt ein Tablett auf dem drei Gläser sowie eine Flasche weißwein mitsamt Korkenzieher standen. Elegant plazierte sie die Gläser auf dem Tisch. Das Tablett warf sie achtlos auf einen der Sessel, über dessen Lehne schon ein dünner mattgrüner Schal lag.
Mit der Weinflsche in der einen und dem Korkenzieher in der anderen Hand ging sie langsam auf mich zu. Ihre Augen sprangen seitlich hin und her während ich abwechselnd zwischen ihre Augen und auf ihren Blutroten Mund blickte.
Sie umarmte mich einige Sekunden lang um mich dann auf armeslänge von sich zu schieben und mir den Flaschenöffner und die Weinflsche anzubieten.
Während ich den Korken aus der Flasche zog kam Lola und tauschte einen Blick mit Sandy, die in der Küche verschwand.
“Ihr scheint euch zu verstehen” sagte sie und musterte mich. Dann sah sie mich an. Ich hielt ihrem Blick stand, wandte mich dem Tisch zu und füllte nacheinander die Gläser, wobei ich automatisch mit Sandys anfing.
“Sandy hat Fondue mitgebracht. Hast du Lust?” Lola setzte sich und nahm eines der Gläser.
“Käse?” fragte ich und setzte mich gegenüber. Grinsend nahm auch ich ein Glas und warf einen Blick in Richtung Küche. Da ich Sandy nicht sah zuckte ich mit den Schultern und prostete Lola zu. “Passend zum Wein. Cheers. Kommst du? Wir brauchen deine Hilfe beim aufbauen.”
Wir stießen an und standen auf. Lola zog mich mit sanfter Gewalt in die Küche, wo Sandy gerade mit einem Glas Coktailwürstchen kämpfte.
“Käsefondue”, sie hob eine Augenbraue und schielte mich an. ”Etwas Fleisch muss für mich immer dabei sein.” Sie versuchte nocheinmal das Glas zu öffnen. Ich sah ihr einige Sekunden amüsiert zu, bis ihr ihr das Glas abnahm, es öffnete und es zum Tisch brachte.
Wenig später saßen wir gmeinsam um den kleinen Tisch und tunkten abwechselnd kleine Stücken Brot in das Fondue.
“Ihr seid also seit über einem Jahr Nachbarn und braucht mich um euch kennenzulernen?”
Lola sah mich vergnügt an. Ich kaute gerade auf einem großen Stück Brot herum und begann mit halb vollem Mund: “Wir sind wohl immer zu verschiedenen Zeiten zuhause.”
“Außerdem ist Lola schüchtern”, lachte Sandy und zwinkerte mir zu. Mein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her. Lola wirkte verträumt und sah auf den Tisch. Sie hatte als erste aufgehört zu Essen und stütze ihren Kopf mit der Rechten ab, wobei sie den Ellenbogen auf die Tischplatte gestemmt hatte. Die linke spielte mit einer Strähne ihres blonden Haares. Als sie merkte, dass wir sie beide anstarrten, richtete sie sich auf und lächelte verlegen. “Soll ich noch'n Wein holen?” fragte sie und stand vollends auf. “Gern, der Abend ist...” “Oder etwas stärkeres?”, unterbrach mich Sandy breit Grinsend. Ich sah Lola fragend an. Dann erhob sich auch Sandy und beide verschwanden in der Küche.
Ich nutze die Zeit um auf die Toilette zu gehen. Im gegensatz zum Rest der Wohnung war Lolas Bad beinahe karg eingerichtet. Es gab einen Spiegelschrank und einen jener Pop-Art-Drucke, die eine blasse Frau vor einem Bunten hintergrund zeigte und der komplett aus verschieden farbigen Punkten bestand.
Als ich zurück ins Zimmer kam, stellte Sandy gerade drei große longdrink-Gläser auf den Tisch, der, bis auf die Coktailwürstchen komplett vom Essen befreit war.
“Lolas spezialität, Caipi á la Lola.” Sandy ging zu einem der kleinen Regale und zauberte einen Ipod hervor. Während Sandy über Klassik und hip hop bis hin zu Wummernden House-Beats durch die Musik des Ipods stöberte kam Lola bewaffnet mit einer Tüte braunem Zucker und einem Aschenbecher sowie einem metallischen Feuerzeug zurück.
Ich stellte mich jetzt selber vor das Bild und beobachtete wie Lola, vorsichtig braunen Zucker über die Drinks streute. Als sie fertig war, stellte sie den Aschenbecher in die Mitte des Tisches und verschwand wieder in der Küche.
Ich setzte mich wieder an den Tisch und zog meine Zigaretten aus der Tasche. Das feuerzeug schnappte mit einem Klicken auf und entzündete eine große, blaue Flamme. Mit der Zigarette im Mund und meinem Weinglas, in dem noch ein Schluck übrig war in der Hand ließ ich meinen Blick durch das Zimmer schweifen.
Lola war nett, und Sandy hatte Recht, wir hätten uns schon früher kennenlernen können. Ich mochte ihre ehrliche, natürliche Art, sie schien mir eine gute Gastgeberin und ihre Wohnung war bequem. Sandy hingegen blieb mir ein Rätsel. Sie will seit 15 Jahren nicht in Deutschland gewesen sein, benahm sich aber als würde sie hier Wohnen, sprach akzentfreies Deutsch und wirkte immer etwas überlegen. Wie jemand der einen Plan hat, jemand bei dem sich gerade alles so fügt wie es soll, dachte ich. Und sie sah aus....
“Prost du Träumer!”, Sandy und Lola saßen wieder am Tisch und hoben ihre Gläser, Lola rauchte eine dieser extra dünnen Zigarretten, die Sie mit spitzen Fingern in der linken Hand hielt, mit der anderen hob sie ihr Glas und lächlte mich gutgelaunt an. Es lief jetzt leichte Tanzmusik in zimmerlautstärke. Sandy lehnte sich in meine Richtung und machte einen Schmollmund. “Jetzt stoß schon an, Träumer!”
Ich hob mein Glas und hoffte, dass sie nicht bei dem Spitznamen bleiben würde. “Cheers, die Damen.”
Der Caipirinha war tatsächlich aussergewöhnlich und Lola wollte mir ihr Geheimnis trotz mehrmaligen Nachfragens nicht verraten. Wir tranken jeder noch zwei weitere und alberten herum.
Es war kurz vor elf, als wir beschlossen tanzen zu gehen. Sandy und ich warteten im Flur. Ich hatte Sandy in ihren langen, beigen Mantel geholfen und mir selbst meine Jacke übergeworfen. Lola lief durch die Wohnung und schaltete Lichter und die Musikanlage aus und stellte einige Dinge von der einen auf die andere Seite des Raumes. Ich entschuldigte mich kurz und ging durch den Flur zu meiner Wohnung um meine Kamera abzulegen.

Zum zweitenmal bezahlte ich ein Taxi und gab ein üppiges Trinkgeld. Lola hatte uns während der Fahrt überzeugt zuerst in die Schanze zu fahren. Der Fahrer hielt am Schulterblatt direkt vor einer Haspa. Wir stiegen aus und Lola und ich gingen zu den Automaten.
Sandy wartete und hielt einige Schritte Abstand. Ich hob 100 Euro ab und steckte sie in meine Hosentasche. Dann drehte ich mich um und ging zu Sandy. Jedenfalls hatte ich das vor, doch statt Sandy stand plötzlich ein Mädchen vor mir. Sie war dunkel gekleidet und hielt sich im Schatten. Es dauerte einige Sekunden, bis ich eine grüne Strähne in ihren Haaren ausmachte. Ich erschrak kurz bevor ich fast automatisch einen Schritt auf sie zuging. Sie sah mir in die Augen und lächelte mich an.
Es war das erste Mal das ich einen genaueren Blick auf ihr Gesicht haben konnte. Sie hatte eine dünne Narbe auf der Wange und tiefe blaue Augenringe. Sie schien seit Tagen nicht geschlafen zu haben, ließ sich aber keine Schwäche anmerken. Ihr Blick ruhte auf mir und ihr, wieder ernstes Gesicht, zeigte keinerlei Regung. Ich musterte sie unverholen während sie meinem Blick ruhig standhielt.
“Wer bist du?” Wieder lächelte sie und kam einen Schritt auf mich zu. Ich bekam das Gefühl sie zu kennen. Zumindest glaubte ich sie schon einmal getroffen zu haben.
“Robert!”, “Träumer! Wo bist du?”
Sandy und Lola riefen von der anderes Seite der Schlange vor den Automaten.
Das Mädchen griff meine Schulter und flüsterte in mein Ohr:” Ich werde deine Retterin sein. Doch du musst vorsichtig sein, Robert.” Auf einmal drehte sie sich um und rannte über die Straße davon.
Keine Sekunde später spürte ich eine kalte Hand auf meinem Nacken, die mich nach hinten in Sandys Umarmung zog. Sandy strich mir unter meiner Jacke über die Brust und drückte mich  gegen ihre. “Wo bist du denn schon wieder, Träumer?” Ich schmunzelte und lehnte mich an sie an. Kaum hatte ich etwas Gewicht abgegeben, machte sie einen Schritt nach hinten, griff meine Hand und drehte mich um. Plötzlich sah ich Lola in die Augen.
“Caipis?”, sie grinste mich breit an.
“Whisky!”
 Während wir lachten, schob Sandy sich zwischen uns und hakte sich bei uns ein. “Na los, ihr Zwei”, sagte sie und zog uns über die Kreuzung über den Fussweg auf dem ich vor ein paar Stunden Frank aus den Augen verloren hatte.

Wenige Minuten später, saßen wir auf gepolsterten Hockern im hintersten Raum einer kleinen Bar, in die Lola uns geführt hatte. Ausser unserem gab es noch 2 weitere kleine  Tische, von denen aber nur einer von einem junger Päärchen besetzt war. Der einzige Durchgang führte zu einem weiteren kleinen Raum, in dem ein Kicker aufgebaut war, um den sich 6 junge Männer Tummelten, von denen immer 2 rauchten und vier gegeneinander spielten.

“Was wollt ihr trinken? Ich geb'aus.”  Sandy hatte ihre Jacke achtlos in die Ecke geworfen  und Lola tat es ihr gleich. “Ich würd 'nen Rotwein nehmen.” sagte sie. Ich enschied mich für einen gin.
Während Sandy sich am Kicker vorbei kämpfte, legte auch ich meinen Mantel ab, faltete alle drei zu einem Knäuel und legte sie zurück in die Ecke. Dann setzte ich mich zu Lola.
“Hallo Nachbarin.”“Hallo Nachbar.” Lola grinste mich an. 
"Langsam werde ich neugierig", begannich."Du und Sandy? Was ist eure Geschichte?"
"Wir sind so was wie alte Freunde. Wir sind damals zusammen zur schule gegangen. Ist jetzt schon 15 Jahre her."
Ich war nicht zufrieden mit ihrer Antwort und beschloss weiter zu bohren.
"Und dann?"
Sie sah mich kurz an, drehte dann ihren Kopf zur Seite und schlug die Augen zu. Ihr lächeln verschwand.
"Ihr Vater. Er hat einen...Job... in den Staaten bekommen, californien glaube ich.
Die Familie ist ziemlich reich, dafür mussten sie nur oft umziehen."
Lola griff nach ihren Zigaretten. Ich sah ihre Augen ins leere starren und griff nach ihrer Hand. Sie hob den Kopf und blickte mich wieder an.
"Entschuldige, ich wollte keine alten wunden aufreißen." Ich streckte meinen arm in Richtung unserer Taschen, "ich mach euch ein paar schicke Fotos heute. Da kommt Sie ja schon."
Sandy balancierte ein kleines Tablett über ihrem Kopf, bestückt mit drei longdrink-gläsern und einigen shots, über ihrem kopf. Sie wollte gerade am Kicker vorbei, wurde aber seitlich angerempelt und kam kurz aus dem Gleichgewicht. Eines der Gläser begann zu kippen. Ich war mit sicher es würde fallen und auf dem Boden zerschellen.  Doch bevor es vollends vom tablett kippte, ging ein ruck durch ihren Körper und sie fand ihr Gleichgewicht wieder. Die Gläser standen, als wäre nichts passiert.
In Sandy Augen war wieder dieser unheimliche Ausdruck, gepaart mit einem, schon fast katzenartigen leuchten.  Sie stellte das tablett vor uns ab und drückte Lokals Schulter. Lächelnd reichte sie mir mein Glas. Der Ausdruck war verschwunden und ich tat ihn als Einbildung ab.
Wir blieben eine Weile an unserem Tisch und unterhielten uns. Ich erzählte wie ich, nachdem ich die Schule nach der elften Klasse abgebrochen hatte um eine Ausbildung in einem kleinen Fotoladen zu beginnen, meinen Job als Fotograf begonnen hatte.. Außerdem erfuhr ich, dass lola Sozialarbeiterin war und verhaltensauffällige Kinder betreute. Über Sandy erfuhr ich nichts ausser, dass sie mit lola zur Schule gegangen war und dann nach Amerika gezogen ist. Dort ist sie aufs College gegangen, hat ihren Abschluss gemacht und dann, wie sie sagte, gearbeitet.
Während wir zusammen saßen und tranken, füllte sich der Raum, sodass eine Unterhaltung zunehmend anstrengend wurde und wir beschlossen weiter zu gehen.
Draußen herrschte reges treiben. Links spielte ein Straßen Musiker Gitarre und sang 'Wind of change', einige Meter vor der Bar stand ein Italiener im trainigsanzug und mit Hut, der unentwegt tanzte, dabei Bier trank und rauchte. Unweit daneben stand eine traube Menschen,  die alles mit ihren Smartphone Kameras festhielten.
Zu unserer linken saßen Leute durcheinander auf Bänken und tischen und grölten,  tranken, lachten und sangen. An ihrer Seite ein Saxophonspieler.
Eine Gruppe jugendlicher Stand im Kreis um eine Musik Box und rauchte und auf jedem freien fleck liefen Menschen auf und ab.
Sandy übernahm  Die Führung, indem sie ellenbogen und kniee benutze um sich einen weg freizukämpfen.
endlich standen wir auf der Straße und sahen uns um.
"Tanzen?" Sandy sah mich an.
"Aber sicher. Mit euch besonders gerne. Ich...", ich merkte, dass ich begann betrunken zu werden als lola von hinten kam und ihre arme um mich schlang. Wir kamen beide ins taumeln und wären beinahe auf das kopfsteinpflaster gefallen. Mit einem raschen Schritt erlangte ich mein Gleichgewicht zurück und wir liefen nebeneinander die Straße entlang.
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Die bässe donnerten, dass ich sie im bauch vibrieren spürte. Über ihnen spielte eine einfache Melodie und der dj ließ dauernd verhallte klatschlaute und kurze Gesänge erklingen. Diverse leuchtpunkte und Reflexionen  irrten durch den Saal.
Ich saß mit lola auf einer Art schaukel die in einer aussparung in der wand Platz fand. Vor uns war die Tanzfläche, auf der sich unzählige Menschen mehr oder weniger im Takt bewegten. Große, trainierte Männer, bekleidet mir tank Top und Jeans, bauchfreie Mädels mit Yoga Hosen, Jungs mit Hemd und Sonnenbrille und unter ihnen Sandy.  Sie hatte die Augen geschlossen und schien in der Musik zu wehen. Ihre Hüfte verlor nie den Takt und ihr gesamter Körper bewegte sich in einem geschmeidigen Fluss.
Weiter links, begrenzt von einer Art Bank,  auf der eine altmodische Lampe, mit roter birne, platziert war, begann eine große sofaecke die sich auf zwei Plateaus befand. Ihr gegenüber, zu unserer linken befand sich die Bar, an der zwei junge Frauen unentwegt bierflaschen heraus gaben.
wir waren durch eine kleine neben Straße gegangen und sich schließlich in einem Nachtclub namens fundbureau angekommen. Ich betrachtete den Stempel auf meinem Handgelenk.
Als ich den Blick wieder hob, sah ich Sandy. Sie hatte sich zu uns gedreht und lächelte  lola an. Schon da, schien mir ihr Blick ängstlich.  Und da war wieder dieses leuchten.
Sie brach ihren Tanz abrupt ab und kam auf uns zu. Lols stand auf ,ging ihr entgegen und umarmte sie. Sandy flüsterte in etwas in Lolas Ohr und beide gingen an die bar.  Sandy warf einen Blick über die Schulter und lächelte mich an. Wieder glaubte ich ihr nicht.ihr
Alleine auf der schaukel zündete ich mir eine weitere Zigarette an und hängte mir meine Kamera um den hals.
Irgendetwas an Sandy  verwirrte mich. Sie schien sicher, kokett.Sie schien immer alles im Griff zu haben. Und doch wirkte Sie deplaziert,  als wäre sie in Gedanken ganz woanders. Ihre direkte Art schien mir gewollt und irgendwie schien sie Angst zu haben. Lola blieb reserviert, vermutlich mussten die bei den sich auf's neue kennen lernen. der Abend schien sich zu lohnen.
Ich sah gerade einen jungen Mann, dessen Schuhe gleicher Art aber verschiedener Farbe waren, als ich jemanden knapp vor mir stehen sah.  Er trug abgewetzte Schuhe und eine stoffhose mit bügelfalte. Dazu einen gestreiften Pullover, der mich an freddy Krüger denken ließ, unter einem jacket. Er lächelte mich fragend an und deutete auf den freien Platz neben mir. Ich nickte ihm bejahend zu.
Er setzte sich neben mich und zog einen Flyer aus seiner innen Tasche und begann ihn zu falten. Dabei schien er keine Notiz von mir zu nehmen,  also rauchte ich schweigend weiter und wartete auf die Damen.
Es war mittlerweile zwei Uhr nachts. Doch von Müdigkeit war im gesamten Saal keine Spur zu erkennen. Und die laute Musik hielt auch mich wach.
"Sie sind gleich wieder da." Sagte der junge Mann neben mir und erhob sich. Er reichte mir eine aus dem Flyer gebastelte Blume, "du wirst sie brauchen, Robert! " mit diesen Worten verschwand er und ich sah ihm verwirrt hinterher. Die Blume in meiner Hand schien etwas lebendiges zu haben.
"Hey Träumer. " Sandy und lola standen lächelnd vor mir.  "Wer war das?" "Ich weiß nicht, hab ihn noch nie gesehen." Ich hielt die Blume hoch. "Was ist das?" , fragte Sandy. Sie nahm mir die Blume aus der Hand und sah sie sich an. Sie schien ihr Angst zu machen.  Als sie mir die Blume zurückgab zitterten ihre Hände leicht und sie war blass geworden.
"Hast du einrn Geist gesehen? " fragte ich und grinste Sir an. Die hob den Blick und schien einen Moment durch mich durch zu gucken, dann hatte sie sich wieder im Griff.  Sie lächelte und begann sich wieder zu bewegen. " alles bestens. Ich will Tanzen. "
Lola wollte vorher auf die Toilette und bat Sandy mitzukommen.  Ich war also noch einen Moment allein,  ging zur bar und bestellte mir ein Bier.
Mit der astraflasche in der Hand drrhte ich mich mit dem rücken zur bar und sah mich um.
Es war ein angenehmer Abend, auch wenn Sandy mich zunehmend verwirrte. Von der koketten Lady die mir am Nachmittag fast den Kopf verdreht hatte war nur wenig übrig. Lola hingegen war aufgetaut und gut gelaunt.  Mit DRM Club und der Musik konnte ich nur wenig anfangen aber da die Damen Spaß hatten und wir uns alle gut verstanden war es aushaltbar.
Plötzlich spürte ich einen  stechenden schmerz in der Seite. Meine arme wurden schwach und wie in zeitlupe sah ich meine Flasche zu bodrn fallen. Mir wurde heiß und mein Herz schlug mir in den hals. Ein Geschmack bitterer Galle breitete sich in meinem Mund aus. Ich tastete nach dem schmerz, erwartete fast schon zu bluten doch meine Hände blieben trocken. In der rechten hielt ich die Blume und plötzlich stand er wieder vor mir. Er sah mich ruhig an, doch er lächelte nicht. "Das bist nicht du Robert. Lass los und konzentrier dich. Die Zeit ist knapp."
Mein Blick irrte diffus durch die Menge. Im Eingangsbereich stsnd ein Mädchen. Mit kapuze. Sie Sah mich an. Ich kannte sie. Ich ging langsam auf die zu. Meine Seite schmerzte weiterhin. Ich stand im Durchgang. Vor mir das Mädchen. Eine grüne strähne. Rechts die Toiletten. Sandy. Das bin nicht ich . Plötzlich wusste ich. Sandy war in Gefahr.
Ich rannte los, stieß die wartenden Leute grob aus dem weg.  Angekommen auf der damentoilette blieb ich stehen.
Lola war leichenblass. Ich sah ihr Gesicht im Spiegel. Ihre Augen blickten glasig in dir ferne. Langsam senkte ich meinen Blick.  Ich fühlte zuerst gar nichts. Meine Kehle war vereist.
Sandy lag auf dem bauch. Ich sah nur ihren Hinterkopf. Ihr Haar svhirn an Glanz verloren zu haben. Ihr rechter arm ruhte verdreht unter ihrem Körper. Den linken hatte sie weit von sich gestreckt. das blut das aus der wunde in ihrer seite lief, ließ den Boden spiegeln. Blutgetränkt lag ihre Jacke neben ihr. Und darauf ein dolch. Golden und mit verschiedenen Symbolen verziert.
Plötzlich wachte ich auf. Meine Seite hörte auf zu schmerzen und ich war mit zwei Schritten bei Sandy. Sie atmete nicht mehr. Ich tastete nach ihrer wunde. Die Blume hatte ich vollkommen vergessen, doch als sie die verletzte Stelle berührte, passierte etwas. Ein kaum sichtbarer ruck schien durch ihren Körper zu fahren Und ihr Gesicht schien mir erleichtert. Ich Spreizte meine Finger und schloss ihre Augen.
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Die sohlen der Schwester quitschten auf dem PVC. der Flur schien endlos, war zu beidenSeiten durch Türen begrenzt, die zwar aus Glas waren aber nur wenig milchiges Licht durch ließen. Ich saß auf einer harten, eisernen Bank. Die wand mir gegenüber war weiß mir einem mattgrünem strich, Der alle paar Meter um einige Zentimetern nach  oben und wieder zurück verlief.
Die Schwester verschwand und die Tür viel knallend ins Schloss. Ich war wieder alleine.
Ich kannte Sandy doch nur ein paar Stunden. Und jetzt sollte sie tot sein? Lola war im Zimmer nebenan. Unter Schock. Ich durfte nicht zu ihr.
Die Sanitäter hatten noch versucht Sandy zurück zu holen. Zwanzig Minuten lang drückten sie auf ihren brustkorb und beatmeten sie. Ich wusste, dass es sinnlos war. Schließlich gaben auch sie auf und Zügen ihre blutverschmierten latexhandschuhe aus. Lola wurde in eine nahegelegene Klinik gebracht und ich fuhr zusammen mit einem Beamten der Kriminalpolizei hinterher. Die Fahrt verbrachten wir schweigend und nun war er bei lola im Zimmer und ich sollte hier warten.
Ich erhob ih und begann den Flur auf und ab zu gehen. Die ganze Geschichte ergab kaum mehr einen Sinn. Warum sollte ich Sandy anfangs abholen, wo sie den weg dann doch selber kannte?  Wer war das Mädchen? Hatte Frank vielleicht Recht,  und Sandy's Tod war eine Art späte Rache? Ich würde mit lola reden. Am besten gleich.
Lola saß auf einen plastikstuhl und sah aus dem Fenster.  Sie hatte wieder Farbe. Die schmucklosen lametten waren zur Seite geschoben und gaben den Blick auf die nächtliche, von tausenden kleinen lichtern erfüllte Stadt.
Neben lola stand ein Arzt und blickte auf die krankenakte. Rechts, neben einem kleinen Schreibtisch saß der Polizist, der mich vorher gefahren hatte.
Als er mich in der Tür bemerkte stand er auf und kam mir entgegen. "Sie können noch nicht zu ihr."  Seine Stimme war ruhig aber bestimmt und ließ keinen Widerspruch zu. Er führte mich am arm aus der zu und bewegte sich auf die Bank zu. Davor blieb er stehen und deutete einladend auf die Sitz Fläche.
Sein Gesicht zeigte keine Regung während er mich durchdringend ansah. Ich schien immer kleiner zu werden und rutschte leicht hin und her. Er bewegte keinen Muskel und musterte mich weiter. Ich streckte meinen rücken durch und erwiderte seinen Blick.  Nach einigen Sekunden griff er in sein jacket und zündete sich eine Zigarette an.  Er hielt mir die Schachtel hin, behielt aber sein pokerface.  Ich zögerte kurz und griff zu. Er gab mir Feuer und setzte sich  neben mich.
"Ist sie okay?" Fragte ich.
"Miss millers?  Tot."
"Lola." Ich fragte genauso trocken wie er geantwortet hatte.
"Sie steht noch unter Schock. Und von Trauer verstehe ich nichts. Sie sind ihr Nachbar?"
Ich zog an der Zigarette und sach mir die leuchtstoffröhren an. Ich ging die Geschichte nochmal durch. Wie ich Sandy traf, wie aßen und dann feiern gingen. Und wie uns dieses Mädchen den ganzen Tag zu folgen schien.sollte ich von ihr erzählen?
"Schon länger, hab sie aber heute erst wirklich kennen gelernt." Begann ich.
"Und miss millers?" Er sah mich fragend an .
"Das ist eine Freundin von lola. Ich sollte sie heute Mittag vom Bahnhof abholen. War dann mit ihr was essen und habe sie abends bei lola wieder getroffen. "
Der Polizist nickte und starrte den strich auf der wand an. Er schien gerade etwassagen zu wollen als die flurtür aufsprang. Eine Schwester kam hin durch und sah uns missbilligend an. "Das ist wohl nicht ihr Ernst!" Schrie sie in unsere Richtung. Der Beamte sah sie fragend an. "Sie können hier drin doch keine Zigarette rauchen."  Kommissar trapp, er hatte sich schon im Auto vorgestellt und jetzt viel mir sein Name wieder ein, sah mich an und zuckte mit den schultern.  Dann Warf er die Zigarette auf den Boden und trat sie aus. ich sah mich nach einem Mülleimer um, fand aber keinen und tat es ihm gleich. Die Schwester schüttelte dem Kopf und ging weiter.  Wir sahen ihr hinterher bis sie durch die nächste Tür verschwand.
Danach stellte trapp noch einige Fragen zu meiner Person und den Verlauf des abends. Ich antwortete wahrheitsgemäß ließ die Begegnungen mit dem punker Mädchen aber aus. Schließlich kam der Arzt aus dem Zimmer und winkte mich heran. Trapp verabschiedete sich und ging und ich wurde zu lola geführt.

Wir saßen auf einer Bank vor einem  Kiosk. Lola trank Wasser und ich hatte mit noch ein Bier gekauft. Lola saß mit tiegesenktem Kopf, den sie in ihren Händen gebettet hatte. 
Ich hatte zuvor nie eine Leiche gesehen. Ich hatte immer gedacht es sei aufregend.Ich hatte mir vorgestellt ich würde über ihre Zukunft nachdenken und ihre  Freunde. Meine eigene vergänglichkeit, das wir uns die Welt nur leihen.
Aber da war nichts. Keine Gedanken, keine Gefühle. Ich habe nichts gefühlt. Ich war reglos, ganz ruhig wie sie. Sandy hatte leblos auf dem Boden gelegen und war ganz blass. Aber weiterhin schön, nur halt leblos.
Wie viele Stunden kannte ich sie? Elf vielleicht Zwölf. Aber gern hatte ich sie schon. Sie war frech gewesen und irgendwie mysteriös. Und sexy. Jetzt fühlte ich etwas. Ich sah lola an. Während ich in ihre Augen schaute schien etwas ihn ihr zu zerbrechen. Ihre Augen wurden glasig und ihr ganzer Körper verlor an Spannung. Ihre Augen füllten sich mit tränen und wir Nahmen einander in arm. Ein riesiger Druck baute sich in meinem brustkorb auf  Und drückte auf meinen hals. Ich spürte lolas zitternden Körper an mir und schloss meine Augen. Auch ich musste weinen.
Lola ging einige Meter vor mir.  Wir hatten uns entschlossen nach Hause zu gehen und alles weitere am nächsten Tag zu erledigen. In der Dämmerung wirkten die Wolken am Himmel wie ein unüberwindbares Gebirge. Meine Gedanken waren schal und meine Beine schwer.  Schön hatte die Nacht begonnen nur um dann umso grausamer zu enden. Ich schlurfte lola hinterher und hatte mein Blick auf den Boden geheftet.  Dann blieb ich stehen.  Sie lächelte und ihr Haar bewegte sich leicht im Wind. Eine ihre grüne strähne hielt die zwischen zeige und Mittel Finger. Wortlos streichelte Sie mein Gesicht.
"Es tut mit leid Robert.  Ich dachte wir hätten mehr Zeit. Meine Schwester hatte dich gern. Du bist ihr ähnlicher als du glaubst und es ist nicht vorbei,  es hat gerade erst begonnen."

12.9.15 23:12
 


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